Bücher als Waffen

Ja, ich weiß, das ist eine steile These. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass der gegenwärtige Zustand vieler Gesellschaften direkt mit der Art und Weise zusammenhängt, wie und was an Büchern gelesen wird, wenn überhaupt noch gelesen wird. Diese in sich erstarrten Weltbilder, die alles, was nicht in sie hineinpasst, als »Fake!« denunzieren, die Vorliebe für schlichte Wahrheiten und starke Führungspersönlichkeiten findet sich wieder in den Vorlieben der Leser für möglichst »positive, sympathische« Protagonisten, eindimensionale Handlungen, per Küchenpsychologie begreifbare Motive, saubere Auflösungen (Mörder gefasst, Liebespaar kriegt sich) und möglichst leicht verständliche Moral. Weiterlesen

Schreibblockade. Was der Doktor empfiehlt

Wenn ich als Kind keine Lust auf Schule hatte, wurde ich krank. Fieber, Magen, Kopf, irgendetwas ging immer. Und merkwürdig, aber obwohl ich gar nicht krank war, habe ich mich so gefühlt, wenigstens so lange, bis ich meine Mutter davon überzeugt hatte, dass es mit mir zu Ende ging und ich zuhause in meinem warmen Bett sterben wollte. Weiterlesen

Selfpublishing: Was es AUCH ist

Selfpublishing ist, wenn ich meinen Text bei Amazon hochlade und die innerhalb weniger Minuten ein Buch draus machen, das dann innerhalb weniger Stunden zum Verkauf steht. Okay, es gibt auch noch Tolino und andere, aber dort funktioniert es ähnlich. Ist es wirklich so oder doch ein wenig komplexer? Besteht die schöne neue Welt des Autor-Seins wirklich vor allem darin, meinem Ego zu schmeicheln und idealerweise noch Geld dabei zu verdienen? Weiterlesen

Vox populi oder Die Grenzen der Kritik

Letztens wurde das Cover eines meiner Bücher in einer ziemlich großen Facebookgruppe zur Diskussion gestellt. Gut, ich habe es selbst gemacht und Designtalent gehört wahrlich nicht zu meinen Grundbegabungen. Aber ich fand es … nett. Die Diskutanten in der Gruppe sahen das anders. Vom kotzenden Emoji bis zum diplomatischen »äh« fand sich alles, was die Bandbreite negativer Bewertung so hergibt, allerdings: Es kamen auch durchaus zustimmende Meinungen. Und jetzt? Das Buch hat sich nicht sonderlich gut verkauft, sollte ich das Cover ändern? Ich schwanke noch. Denn eigentlich … gefällt es mir noch immer und ich ziehe mich an den wenigen Leutchen hoch, denen es ebenso geht.
Dass jemand, der ein Cover zur Diskussion stellt, niemals nur negative oder positive Reaktionen erhält, sollte bekannt sein. Wie heißt es doch so schön, wenn man einer fundierten Diskussion aus dem Weg gehen möchte? Die Geschmäcker sind verschieden. Aber es betrifft ja nicht nur das Cover, es betrifft auch den Inhalt, den Text. Ein fundamentales, allgegenwärtiges Problem also. Wie halte ich, der Autor, es eigentlich mit meinen Lesern? Welche Macht haben sie über mich? Wie bestimmen sie meine Arbeit? Und: Bis zu welchem Grad erlaube ich ihnen, diese Macht über mich auszuüben? Weiterlesen

Ein Jegliches hat seine Zeit. Vom Kommen und Gehen der Werbemittel

Zuerst kostenlos und dann für 99 Cent. Und am Ende leihen die Leser die Bücher noch aus und man sieht, wenn es König Kunde nicht gefällt, noch weniger auf der Monatsabrechnung. Dieses jedem Selfpublisher wohlbekannte Szenario lassen die Pessimisten der Branche aufleben, vergessen dabei jedoch eins: Alles verändert sich, kein Stein bleibt auf dem anderen.

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Querverweis Fortsetzungskrimi

Ihr wisst aber schon, dass der unvergleichliche O.M. Gott hier seinen unvergleichlichen Fortsetzungsthriller „Die Bestsellerformel. Ein Thriller aus der Hölle des Selfpublishing“ schreibt? Wisst ihr? Gut. Wollte es nur noch mal erwähnt haben.

Selfpublishing: fünf große Irrtümer

Nein, keine umwerfenden neuen Erkenntnisse. Aber Dinge, die man gelegentlich wiederholen sollte, um all diejenigen, die über dem Boden der Tatsachen schweben, sanft auf diesen zurückzuholen …

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Viele Wege führen zum Verlag

Es lässt sich einfach nicht leugnen. Für manche Autoren beginnt das Autorendasein damit, ihr Werk in einer Buchhandlung zu sichten, ein »Verlagsbuch«, am besten sauber und hoch neben dem Eingang gestapelt. Das selbstgemachte eBook samt via Createspace zusammengebasteltem Print on Demand? Ganz nett. Vor allem, wenn es sich einigermaßen verkauft. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach dem Ritterschlag des Lektorats-Okays. Wie aber komme ich zu einem Verlag? Was nützt mir meine Selfpublishervergangenheit? Oder schadet sie mir gar? Weiterlesen

Was Sie von Ihrem Lektor erwarten – und was Ihr Lektor von Ihnen erwartet

Nichts, wirklich nichts scheint ein größeres Mysterium zu sein als das Verhältnis von Autor und Lektor. Braucht, wer ein Buch veröffentlichen möchte, unbedingt jemanden, der es »verbessert«? Die Antwort lautet: nein. Nicht unbedingt. Es gibt Bücher, die auch ohne Lektorat funktionieren – und Bücher, die trotz Lektorat misslungen sind, manchmal sogar WEGEN des Lektorats. Wenn ich das als jemand, der auch als Lektor arbeitet, schreibe, mag das als zunftschädigend gelten. Aber hallo – welche Zunft eigentlich? Es gibt keine, denn »Lektor« ist kein Beruf mit festen Regeln und Voraussetzungen, JEDER kann sich als Lektor verdingen. Der Grund ist simpel: Gib zehn Lektoren dein Manuskript und du erhältst zehn unterschiedliche Ergebnisse, deren Bewertung zumeist höchst subjektiv ausfallen muss. Ich kenne Fälle (vor allem von Verlagslektoraten), in denen man einem Autor den eigenen Stil konsequent ausgetrieben und auf marktkonforme Stromlinienförmigkeit getrimmt hat. Bei anderen Kollegen sahen Manuskripte nach dem Lektorat aus wie planierte Landschaften, alles an »Füllwörtern« war eliminiert worden, wobei ich endlich mal eine Liste dieser bösen Wörter sehen möchte, aber gewiss nie zu sehen kriege, denn es gibt sie nicht. Jedes Wort kann in einem bestimmten Kontext »Füllwort« sein, doch das nur nebenbei. Weiterlesen

Wie viel Kritik darf’s denn sein?

Kritik. Ein garstiges Wort. Dabei ist sie, wenn man das Wort und seine Entwicklung historisch analysiert, zunächst neutral. Jemand betrachtet sich einen Gegenstand oder eine Handlung von allen Seiten, begutachtet, bewertet, beurteilt. Heutzutage besitzt Kritik zumeist einen negativen Beigeschmack. Etwas kritisieren heißt etwas bemäkeln, Schwachpunkte formulieren. Wie soll man damit umgehen? Betrachten wir uns die Sache Punkt für Punkt. Weiterlesen