Cliff Allister: Mission Triangulum

cliffBei der vorliegenden Szene handelt es sich um einen Ausschnitt aus Kapitel 22 des zweiten Bandes des MULTIVERSUM-Zyklus („Mission Triangulum“).Zur Vorgeschichte: Im ersten Band wird dem Protagonisten die Unsterblichkeit angeboten, indem er mittels außerirdischer Technologie auf genetischer Ebene „unsterblich“ gemacht werden kann. Allerdings ist diese Prozedur nur unmittelbar nach dem Tod des Betroffenen durchführbar. Um die Unsterblichkeit zu erlangen, muss man also zunächst sterben. Der Held war sich zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob er dies überhaupt will, da es nur zwei Möglichkeiten gibt: Er kann „gezielt“ Selbstmord begehen, um als Unsterblicher „wiedergeboren“ zu werden, oder auf den natürlichen Tod warten, was Jahrzehnte dauern kann. Er wäre dann zwar unsterblich – aber als alter Greis! Als er bei einem Einsatz lebensgefährlich verletzt wird, teilt ihm die Protagonistin mit, dass er sterben müsse und erhält sein Einverständnis für die Behandlung. Dies war jedoch eine Lüge! Er hätte gerettet werden können, doch sie lässt ihn „sterben“, um ihn als jungen Mann unsterblich zu machen. Natürlich sollte er dies nie erfahren. Nun kommt es wie es kommen muss – die Wahrheit kommt ans Licht!

Mich interessiert, ob die emotionalen Reaktionen und deren Beschreibung stimmig sind. Die Textprobe ist weder korrigiert noch lektoriert!

Leseprobe

Grand warf resignierend die Arme in die Höhe und wurde jetzt selbst wütend.
»Dann sagt mir doch, was ich statt dessen hätte tun sollen? Wir haben keinen anderen Plan. Es gibt nichts, wo wir hier ansetzen könnten. Wir haben nur zwei verdammte Schiffe und uns geht die Zeit aus. Zuhause warten sie verzweifelt darauf, dass wir mit einer guten Nachricht zurückkehren. Die Galaxis steht vor dem Untergang und wir streiten uns hier, ob ich ein zu hohes Risiko eingegangen bin. Das ist doch verrückt! Wenn es je eine Zeit gab, ein hohes Risiko einzugehen, dann jetzt. Die ganze verdammte Mission ist ein einziges hohes Risiko. Wir haben nichts zu verlieren, verdammt noch mal!«
»Mike hat recht!« Es überraschte Grand, dass es ausgerechnet Kranchoor war, der langjährige Freund von Jalina, der ihm beistand. »Wir haben nur diesen einen Versuch. Und uns läuft die Zeit davon. Wenn wir den ehemaligen Chef der Invasionsflotte nicht in die Finger kriegen, wissen wir nicht mehr, was wir noch tun könnten. Es war das Risiko wert, und es ist gut ausgegangen, nicht wahr?«
Für Kranchoor Verhältnisse war dies eine lange Rede. Auch Poggy signalisierte Zustimmung. Jalina blickte ihre Gefährten fassungslos an.
»Ich kann nicht glauben, dass ihr ihm beisteht. Mike hat die gesamte Mission aufs Spiel gesetzt und ihr applaudiert ihm noch.«
»Ohne die Entführung des Alten gibt es keine Mission mehr, begreif das doch«, versuchte Grand es erneut. »Und es gibt keine Entführung, ohne die Informationen über Maren´Thar. Sonst wäre es ein Selbstmordkommando.«
»Auch ich stimme nach Abwägung aller Faktoren dem Unsterblichen Michael Cordwainer Grand zu«, sagte die Supreme-KI der Stürme, die der Auseinandersetzung bisher schweigend gefolgt war. »Ohne die Informationen hätte die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen der Operation etwas mehr als dreißig Prozent betragen.«
»Wie hoch ist sie wohl jetzt, da die Ra´hul wissen, dass wir uns für ihr Straflager interessieren?«, fragte Jalina mit ätzendem Spott in der Stimme.»Nach meinen Berechnungen liegt sie bei fast fünfzig Prozent«, antwortete die Supreme-KI.
Jalina brach in schallendes Gelächter aus.
»Wir sterben also nur noch in jedem zweiten Fall anstatt in jedem dritten.« Die hochgewachsene Kolltanerin sah Mike durchdringend an. »Danke dafür, Terraner, dass du uns beinahe umgebracht hast, damit wir beim nächsten Mal mit einer etwas geringeren Wahrscheinlichkeit getötet werden. Falls du es vergessen haben solltest – es gibt keine zweite Chance auf Unsterblichkeit!«, setzte sie hinzu.
»Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich die erste überhaupt haben wollte«, schnappte Grand zurück.
»Sie ist ein Geschenk, du Idiot!« Jalina war nun richtig wütend. Erst ignorierte Grand sie während der Mission, dann stellten sich sogar ihre Freunde gegen sie und nun schien dieser Kretin nicht einmal die Unsterblichkeit zu würdigen. Ganz zu schweigen, von den Verpflichtungen, die sie mit sich brachte. »Ein Geschenk, das du mir verdankst, nebenbei bemerkt!«, platzte es aus ihr heraus.
Mike sah Jalina verblüfft an.
»Dir? Wieso sollte ich es dir verdanken? Ich bin an meinen Verletzungen gestorben und die Nanoassembler der LifeCell im Hort haben die Schäden repariert und mich unsterblich gemacht. Was hattest du damit zu tun?« Erst jetzt bemerkte Jalina, was ihr herausgerutscht war. Sie hätte sich ohrfeigen können.
»Ich … ich hatte … nicht … nichts damit zu tun. Du hast recht«, stammelte sie.
»Was verschweigst du mir, Jalina?« Es entging Grand nicht, dass mehr hinter ihrer herausgeplatzten Aussage stecken musste. Ein schlimmer Verdacht keimte in ihm auf. »Was ist damals wirklich geschehen? Ich war doch rettungslos verloren und musste sterben, nicht wahr? Das hast du mir jedenfalls gesagt.«
Jalina sah ihn nur an, und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie wollte ihn nicht anlügen, doch die Wahrheit konnte jedes Vertrauensverhältnis zwischen ihnen für immer zerstören. Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Grand sah, dass sich ihre Augen mit Tränen zu füllen begannen.
»Mike … ich … es«, die richtigen Worte wollten ihr nicht einfallen und sie wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken.
Grand schien sie mit Blicken durchbohren zu wollen.»Hakera«, sagte er und wandte sich zur KI der Rhelina»Was genau ist damals geschehen?«
Die KI zögerte mit der Antwort, was Grand noch nie erlebt hatte. »Hakera, ich will die Wahrheit wissen. Musste ich damals sterben?«
»Nein, Michael«, antwortete Hakera nach einigen Sekunden, die Grand wie eine Ewigkeit vorkamen. »Ich hätte dich so weit stabilisieren können, dass du den Hort lebend erreicht hättest. Dort wäre es eventuell möglich gewesen, dein Leben mithilfe von kybernetischem Organersatz zu retten.«
Langsam drehte sich Grand wieder zu Jalina um.»Was hast du getan?«, flüsterte er entsetzt.
»Mike, ich …«, wieder versagte Jalina die Stimme und Tränen begannen, an ihren Wangen herabzurinnen. »Es … es tut mir so leid! Du warst so … so schwer verletzt und hattest solche … Zweifel. Ich … es war nicht klar, ob … du wärst nie wieder der … der alte gewesen. Ich … ich wollte nur …«, sie begann zu schluchzen. »Bitte verzeih mir, Michael!«
»Es war nicht deine Entscheidung.« Grand konnte nicht glauben, dass sich Jalina zur Herrin über Leben und Tod aufgeschwungen hatte. Dass sie ihn angelogen hatte. Dass er nicht hätte sterben müssen. »Es war … ist … mein Leben! Du wusstest genau, dass ich mir noch nicht sicher war. Du hast dich zum Richter über mein Leben gemacht, eine Entscheidung getroffen, die nur mir alleine zustand. Du hast mich belogen und betrogen, Jalina. Das ist …« Grand schüttelte den Kopf, dreht sich um und wollte die Zentrale der Rhelina verlassen. Hinter ihm erklang ein lauter Aufschrei von Jalina.
»Ich habe es doch nur getan, weil ich mich da bereits in dich verliebt hatte!«
Grand stockte mitten im Schritt, drehte sich um und starrte Jalina ungläubig an. Sie stand mit tränenüberströmten Gesicht mitten in der Zentrale und wirkte wie ein kleines, hilfloses Mädchen. Kranchoor und Poggy saßen ebenfalls wie gelähmt in ihren Sesseln. Es herrschte plötzlich völlige Stille in der Zentrale, die nur von Jalinas Schluchzen unterbrochen wurde.
Mike sah sie einige Sekunden mit unbewegtem Gesicht an, drehte sich wortlos um und ging. Er konnte Jalina noch im Gang weinen hören.

Genre: Science Fiction

Link: zum ersten Band des Zyklus

Advertisements

10 Kommentare

  1. Dieter Paul Rudolph

    Beschränken wir uns darauf, was Cliff hier vor allem interessiert. Wie glaubwürdig ist die Reaktion Jalinas, als sie erkennen muss, dass sie sich „verplappert“ hat? Eine allgemeine Regel gibt es nicht, man muss das Verhalten von dem ableiten, was man von Jalinas Charakter und ihren Reaktionen als Leser kennt. Aber bevor wir dazu kommen: Ich habe schon ein Problem mit dem Verplappern selbst, das mir wie ein „Verplappern nach Ansage“ vorkommt. Gut, sie ist aufgeregt und verärgert, aber kann man glauben, dass das Geständnis aus ihr „herausplatzt“? Es ist ja nicht einfach nur ein falsches Wort, es ist ein wohlüberlegter Satz: »Ein Geschenk, das du mir verdankst, nebenbei bemerkt!«, platzte es aus ihr heraus.“ Ich kann mir nicht helfen, aber das hat etwas Stichwortartiges, man hört dem Autor fast beim Denken zu, wenn er sich überlegt, jetzt aber mal endlich die Wahrheit über diese Unsterblichkeit ans Tageslicht zu bringen. Vielleicht ist die Wut Jalinas einfach noch nicht groß genug, vielleicht sollten sie und Grand in einen noch heftigeren Wortwechsel geraten, damit es logischer aussieht, wenn Jalina die Beherrschung verliert.
    Aber schauen wir uns an, was wir über sie wissen. Sie ist ärgerlich, sie wirkt sehr selbstbewusst, eine Frau, die weiß, was sie tut, und mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg hält. Das ändert sich abrupt nach dem Geständnis. Sie stammelt, stottert, bittet um Verzeihung, gesteht ihm schließlich, es nur aus Liebe getan zu haben.
    Die „Fallhöhe“ zwischen der Jalina im ersten Teil der Probe und dem zweiten nach dem Geständnis ist also enorm. Aus der erbitterten Kontrahentin wird die verwirrte, fast unterwürfige Sünderin. Ist das glaubwürdig? Für meinen Geschmack gibt sie zu schnell nach, auch hier wieder der Verdacht, es komme dem Autor nur darauf an, die Dinge rasch klarzustellen. Warum lenkt Jalina nicht ab? Schließlich geht es, wie wir zu Anfang erfahren haben, um existentielle Dinge.
    Aber Glaubwürdigkeit ist nicht nur eine Frage des Kontextes, sondern auch der Sprache. Wie schon angedeutet: Jalina stammelt mir zu viel. Sie hat einen Fehler gemacht und ist aus der Fassung gebracht worden, aber es wäre logischer, sie würde sich wenigstens vorübergehend wieder fangen, um dann am Ende, wenn ihre Argumente und Ablenkungsmanöver nichts mehr fruchten, endgültig zu resignieren und ihre Liebe zu gestehen. So wie es bisher formuliert wurde, ist es wie bei einem Schalter, der von souverän auf unterwürfig / schuldbewusst umgelegt wird. Warum nicht eher eine „Welle“? Jalina macht den Fehler, sie ist zunächst verwirrt, stammelt, fängt sich dann, versucht abzulenken, sucht krampfhaft nach Argumenten, steigert sich im Streit mit Grand – und resigniert schließlich, bricht zusammen.
    Sprachlich ist mir das, wenn die beiden aneinandergeraten, zu viel „tell“ und zu wenig „show“.
    »Mike … ich … es«, die richtigen Worte wollten ihr nicht einfallen und sie wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken. — Hier ist es offensichtlich, dass ihr die richtigen Worte nicht einfallen, der explizite Hinweis kann also unterbleiben. Warum nicht einfach „Sie senkte den Blick, ihre Wangen färbten sich rot“? Und ist „Scham“ nicht vielleicht das falsche Wort? Ist es nicht eher Verlegenheit, gepaart mit Verwirrung?
    Eine Variante, die ich mir als glaubhafter vorstellen könnte, würde etwa so aussehen:
    Jalina ist wütend. Sie möchte Mike provozieren, es rutscht ihr also nicht einfach so heraus. Sofort aber erkennt sie, dass sie einen Fehler gemacht und sich von ihren Emotionen hat leiten lassen. Sie lenkt ab (ist nicht so wichtig … wir haben jetzt anderes zu besprechen …), doch Mike bleibt hartnäckig. Jalina verhaspelt sich, sie verharmlost, erkennt schließlich, dass sie die Wahrheit gestehen muss. Sie versucht es zunächst durchaus selbstbewusst (sei doch froh …), muss aber erkennen, dass Mike das nicht akzeptiert. Sie bricht zusammen, gesteht ihre Liebe.
    Ich hoffe, das hilft ein wenig …

  2. Ich kann mich da nur anschließen. Die emotionale Reaktion halte ich, aus der Situation heraus, für durchaus stimmig. Aber deren Be-Schreibung nimmt der ganzen Szene komplett das Tempo. Die meisten be-schriebenen Reaktionen erklären sich für mich als Leser schon aus der Handlung, die sehr dramatisch ist.

  3. Ich verstehe nur Teile der Szene, ich ahne zwar, um was es geht aufgrund der Vorankündigung, aber letztlich fehlt mir der Kontext. Habe ich ja schon gesagt, dass es schwierig ist, etwas über Texte zu sagen, deren Zusammenhang nicht klar ist.
    Der Konflikt erschließt sich mir deshalb auch nicht. Der Held will nicht als Greis sterben, weil er dann als Greis ewiges Leben haben würde. Nicht so lustig, dann als Tattergreis seinen Rollator durchs Weltall zu schieben.
    Die Frau hat ihn sterben lassen und jetzt ist er als junger Mann unsterblich. So what? Was ist das Problem?
    Die Gefühle der Personen werden alle behauptet. Da ist jemand wütend, da platzt jemand heraus, da keimt ein schlimmer Verdacht auf. Alles Behauptungen, die ich glauben muss, die ich aber nicht erlebe. Dass dann, wenn jemand stammelt, gleich eine ganze Ladung Auslassungszeichen über den Leser hereinbrechen, macht es nicht besser. Weniger wäre da mehr gewesen.
    Nun ist das ein Roman, in dem es um anderes geht, als um die Gefühlswelt der Helden. Insofern mag das vielleicht funktionieren. Dennoch würde ich es für gut halten, den Leser mehr die Gefühle erleben zu lassen, statt dass sie ihm vorgekaut werden.
    Wie gesagt, all das schreibe ich aufgrund einer Szene, deren Kontext ich nicht kenne und die ich deshalb auch nur teilweise verstehe.

    Herzliche Grüße, Hans Peter

  4. Unter Herausplatzen würde ich auch eher verstehen, dass man sich mit einer unbedachten Bemerkung verrät. Manchmal reicht auch schon ein Wort.
    In dieser Szene erfolgt das aber in mehreren Sätzen und das finde ich nicht so überzeugend.
    »Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich die erste überhaupt haben wollte«, schnappte Grand zurück.
    »Sie ist ein Geschenk, du Idiot!«

    Das würde ich ändern in:
    »Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich die erste überhaupt haben wollte«, schnappte Grand zurück.
    „Sie war mein Geschenk, du Idiot!“
    „Dein Geschenk? Wie soll ich das verstehen?“

    Sie versucht dann, sich herauszureden, aber Grand lässt nicht locker und die Wahrheit kommt ans Licht. Das würde ich kurz und knapp halten, damit die Szene Speed hat, wie Ryek bereits erwähnt hat.
    Die ganzen Anweisungen an dieser Stelle nehmen die Spannung heraus, anstatt sie zu erhöhen. Dabei sollte es so richtig knallen! 😉

  5. Schließe mich an: Alles in allem gut nachvollziehbar. Ich würde ebenfalls die „Erklärungen“ zu den sichtbaren Reaktionen einschränken. An der Stelle: Ist es überhaupt sinnvoll, mit einen gemischten Point of View zu agieren? In diesem Fall verleitet das geradezu, statt der Sichtbarmachung, dass etwas in den Rednern vorgeht, mitzuteilen, was in ihnen vorgeht.
    „Verplapperter“ klänge die entlarvende Bemerkung auch, wenn noch mehr Wut zu hören wäre: Nicht nur, dass die Erklärung diese eben hörbar gemachte Emotion wieder dämpft, in der gesamten Szene darf es m. M. n. durchaus mehr Ausrufzeichen geben, um die Erregung sichtbarer zu machen.
    Was mich auch stört, ist Jalinas Weinen – so aus der Wut heraus zerbröckelt beim Ertapptwerden sicher die Verteidigung, aber so plötzlich „Schmerz“ (Scham? Verletztheit? Nachlassender Druck der Lüge?), das kann ich nicht nachvollziehen. Ich würde dem Wechsel noch etwa mehr Raum/Zeit geben.

    Bei »Wir sterben also nur noch in jedem zweiten Fall anstatt in jedem dritten.« hat sie sich mehrfach vertan: „sterben in jedem zweiten Fall“ ist schlechter als nur in jedem dritten. Und „30 % Gelingchance“ würde eher heißen, sie überleben nur in jedem dritten Fall.

  6. Ich kann die Kritikpunkte nachvollziehen, und es ist natürlich schwierig, einen isolierten Textausschnitt ohne Kontext zu beurteilen.
    Für Hproentgen: Der Konflikt rührt daher, dass Grand, als er die Unsterblichkeit für ihn sehr überraschend angeboten bekam, nur zwei Optionen sah: Sich selbst zu töten (da die „Behandlung“ nur nach dem Tod erfolgen kann), oder zu warten, bis er als alter Mann eines natürlichen Todes stirbt, um sich dann der Behandlung zu unterziehen. Beide Optionen sagten ihm nicht zu, ja, er war sich nicht einmal sicher, ob er dieses „Geschenk“ überhaupt haben wolle.
    Während er noch mit sich kämpfte, hat Jalina eigenmächtig eine Entscheidung getroffen, als er bei einem Einsatz schwer verletzt wurde. Sie hat ihm (während er mit dem Tod rang) gesagt, er müsse sterben, und gefragt, ob er mit der Behandlung einverstanden sei. Unter diesen Umständen stimmte er zu, und die lebenserhaltenden Systeme wurden abgeschaltet. Allerdings war dies eine Lüge! Er hätte nicht sterben müssen. Nun fühlt er sich natürlich hintergangen, und um eine Entscheidung betrogen, die nur er hätte treffen dürfen.
    Für DPR: Es stimmt, diese „Episode“ ist vielleicht in den Reaktionen der Beteiligten kürzer „abgehandelt“, als sie es verdient hätte. Vielleicht ist Jalinas emotionale Entwicklung zu linear, zu schnell und sie „wehrt“ sich nicht lange genug. Aber dieser Konflikt steht nicht im Mittelpunkt der Handlung. Es ist lediglich ein „Nebenkriegsschauplatz“, den ich haben wollte, um die Dynamik zwischen der Protagonisten nicht zu unkompliziert zu gestalten. Ich wollte ihm aber auch nicht zu viel Raum geben (sprich: nicht zu viel Text). Ich würde dies als zu ausführliche, ja langatmige Unterbrechung der eigentlichen Handlung empfinden, die vorangetrieben werden soll. Einen Tempoverlust, und damit Spannungsabfall, beim Hauptkonflikt halte ich für insgesamt abträglicher, als eine verkürzt dargestellte emotionale Entwicklung bei den Beteiligten.
    Ich weiß nicht, ob du verstehst, was ich meine, und ob das aus Lektorensicht Sinn macht – aber ich bin ja lernfähig! 😉

    Danke für die Mühe und die Kommentare
    Cliff

    • Hans Peter Roentgen

      Cliff, das, was du über Grand und Jana schreibst, ist mir klar. Aber es überzeugt mich nicht, für mich klingt es konstruiert. Natürlich gäbe es da Knatsch, aber so grundlegend, wie du das schilderst in der Szene, klingt es für mich aufgesetzt. Weil Grand sowieso sterben muss, um weiterzuleben. Okay, war nicht fein von Jana, also man streitet sich. Aber derart? Das klingt eher nach altem Ehepaar, das immer wieder an den gleichen Stellen mit Türenschlagen aufeinandertreffen bei den gleichen Themen. Und Außenstehende wissen gar nicht, warum und wieso?
      Vielleicht ist die Beziehung zwischen Grand und Jana so ähnlich wie ein altes Ehepaar. Jana will immer schon Entscheidungen für Grand treffen und Grand reagiert sauer?

      Herzliche Grüße, Hans Peter

      • Das verwundert mich jetzt! Es geht hier schließlich um die nicht gerade unerhebliche Frage des eigenen Todes, bzw. um dessen Zeitpunkt. Das ist was anderes als der Streit, ob man lieber zu McDonalds oder zu Burger King geht.
        Ja, Grand muss sterben, um sich der Behandlung unterziehen zu können, die ihn unsterblich macht. Aber er war sich erstens noch nicht sicher, ober er dies überhaupt will, und zweitens, wenn, dann zu welchem Zeitpunkt. Dieser Entscheidung hat Jalina ihn beraubt. Das halte ich schon für einen sehr, sehr schwerwiegenden und grundlegenden Konflikt.

      • Hans Peter Roentgen

        Cliff, wenn er tatsächlich noch gar nicht weiß, ob er unsterblich werden will, dann ist das was anderes. Aber dann müsstest du mehr Pfeffer an den Streit tun. Ich hatte das so verstanden, dass schon klar war: Ich werde irgendwann unsterberblich, aber Jana hat jetzt den Termin bestimmt.

  7. Dieter Paul Rudolph

    Ich verstehe das durchaus, Cliff. Aber das ist generell das Problem bei „Nebenkriegsschauplätzen“: Wenn sie nicht das Tempo und die Spannung rausnehmen, weil ihre Darstellung zu ausführlich gerät, werden sie oftmals zu flüchtig und wirken ein wenig „drangepappt“. Deine Absicht kann ich nachvollziehen, wenn du eine zusätzliche Konfliktebene einziehen möchtest. Die Frage – die ich nicht beantworten kann – lautet natürlich auch: MUSS diese geballte Szene genau an dieser Stelle sein oder könnte man sie auch verlagern / verteilen? Dazu müsste man natürlich den gesamten Text und seine Dramaturgie kennen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: