Thomas Frick / Tomb de Freak: Scheibenmond

frickVier Discgolfer werden von der Erde gekidnappt, um die Erde bei einem intergalaktischen Discgolfturnier zu vertreten. (Discgolf: Golf mit Frisbee-Scheiben). Sie lernen phantastische Landschaften, skurrile Wesen und alternative Gesellschaftsentwürfe kennen. Da die Erde wegen ihrer Umweltverschmutzung im Rest des Universums keinen guten Ruf hat, müssen die vier (Vivien, Marc-Uwe, Slomo und Bernard, ein Bernhardiner) sich besonders anstrengen, eine gute Figur zu machen. Zumal ein Benzin-Punk-Achtelgott die Milchstraße, als Frisbeescheibe, in ein schwarzes Lochversenken will. Scheibenmond ist auch eine Hommage an Terry Pratchett und Douglas Adams.

Leseprobe

Gleich am ersten Turniertag, auf dem 10-Bahnen-Parcours in den Orchideensümpfen von Haal, griff sich Bernard, mangels eigener Scheiben, die, von Simon Lizzotte signierte, Blizzard Champion Boss, aus der Discbag von Marc-Uwe. Es war eine komplizierte Par 4 Bahn und wand sich zwischen den Lianen bemoster Urwaldriesen hindurch. Zwei Teiche mussten überwunden werden, und der Korb stand auf einer winzigen, von Ligatoren umzingelten Insel.

Der Werfer nahm nicht einfach nur Anlauf, er drehte sich auf dem Start dreimal um sich selbst. Stieg dabei hoch in die Luft und warf mit einem Ächzen, als würde er seinen letzten Atem aushauchen.

Bis jetzt hatte die Gruppe der Terraner vorwiegend mit Schwierigkeiten gekämpft. Auf Grund der geringeren Gravitation waren die Discs zwar weit, aber oft auch unkontrolliert über das Ziel hinaus geschossen. Die Vier hatten immer wieder in den tropischen Schnatterbüschen,  fleischfressenden Hecken und Ligatoren-Gräben nach ihren Scheiben suchen müssen und begonnen, diesen Ort zu hassen. Nicht nur des Dschungels wegen herrschte dicke Luft im Flight.

Slomo verlor seine Nuke. Viviens Putter machte die Bekanntschaft mit der Doppelzahnreihe eines Knallochsenfroschs. Marc-Uwe musste zehn Meter hoch auf einen der glitschigen Felsen klettern, um seinen XXL-Driver aus einem sprechenden Dornengestrüpp zu bergen.

Es war schon am Morgen unangenehm heiß gewesen und wurde die ganze Zeit einfach nur schlimmer. Die Moskitos stachen zwar nicht, redeten aber pausenlos einen derartigen Unsinn, dass man sich weit fort zu wünschen begann: „Haut ab, ihr Looser – das ist unser Sumpf – das war ja wohl nichts – wo habt ihr Spastiker werfen gelernt“, und so weiter.

Die dichte Atmosphäre des Planeten sorgte für Probleme mit der Thermik. Es fühlte sich an, als würde man versuchen, unter Wasser zu spielen. Der Score der Terraner lag schon nach wenigen Bahnen weit über dem Durchschnitt der anderen Turnierteilnehmer.

Bei diesem Wurf jedoch war alles anders. Die messerscharfe Boss zischte los, bekam Aufwind, entwickelte ein Eigenleben und wollte überhaupt nicht aufhören zu segeln. Gleich am Anfang verschwand sie zwar, mit einer wenig Hoffnung erweckenden Kurve, im dick bemoosten Gewirr der Äste…

Autor: Thomas Frick lebt als Regisseur in Potsdam und veröffentlicht unter dem Pseudonym Tomb de Freak phantastische Geschichten.

Genre: Science-Fiction

Status: in Arbeit.Andere Veröffentlichungen des Autors finden Sie hier.

Advertisements

13 Kommentare

  1. Dieter Paul Rudolph

    Hübscher Text. Okay, einige Formulierungen würde ich umschreiben (typische Autor-Lektor-Krankheit), aber das braucht den Autor nicht zu kümmern. Ich kenne den Text und seine Dynamik nicht, kann also nicht empfehlen, diese Szene ein wenig „auszureizen“, vielleicht sogar noch eine Spur zu überdrehen, zum Beispiel die schimpfenden Moskitos. Das wäre ein typisches Betätigungsfeld für das abschließende Zweitlektorat, wenn man den gesamten Text vor sich hat und schaut, wo gekürzt und wo im Sinne von Spannungsbogen und Dramaturgie noch etwas ausgearbeitet und / oder hinzugefügt werden sollte. EIN Problem hab ich allerdings: die Fachbegriffe. Par 4 – Nuke … Hier hoffe ich schon, dass sie im Verlauf des Romans auch für Nichtgolfer genauer erklärt werden. Dann könnte dieser Roman richtig Spaß machen.

    • Hallo und danke. Ich hatte ursprünglich eine Fassung, in der ich alles in Wurmsätzen gleich erklärt habe. Das war zu umständlich. Jetzt halte ich es so, dass sich alle Begriffe mit der Zeit von selbst erklären (bei William Gibson abgeguckt). So lange der Leser das Vertrauen bekommt, dass er es demnächst verstehen wird, kann man damit sogar Neugierde aufbauen. So weit der Plan. Auch ein kursives Schreiben solcher Begriffe soll klarmachen: Keine Bange, ich weiss, dasss es ein fremdes Wort für dich ist, dazu kommen wir noch.
      Das hier ist tatsächlich der Anfang der Geschichte, und es soll klar sein, dass es für den Leser in eine neue Welt geht.

  2. Elsa Rieger

    Sehr erfrischend, flott, macht neugierig. Die unbekannten Begriffe, vermute ich mal, sind schon vor diesem Textschnipsel erklärt worden, wenn nicht, wäre da Handlungsbedarf. Herrlich die Moskitos, das rockt – allerdings hätte ich gern mehr davon. Dass der Autor Regisseur ist, bemerkt man im positiven Sinn, der Text ist bildhaft, ein „show, don’t tell“, gut.

    • Danke. Bei der Länge insgesamt, gibt es natürlich noch mehr davon. Das hier ist ja nur der Einstiegstext, in dem neugierig gemacht werden soll. Die Fachbegriffe klären sich später, aber ich denke auch über ein Glossar nach.

  3. Hübsch! Am Anfang ein zu großes Kommadurcheinander und Korrektorat und Lektorat kommen auch erst noch – aber das verfolg ich gern mal.
    Was mir aufstößt: Langer Flug wegen geringer Schwerkraft? Na gut, auch wenn die Fluglänge mehr durch das Abwurfmoment bestimmt wird. Und – und das ist wohl fast noch wichtiger – durch den Luftwiderstand. Wenn die Atmosphäre sehr dicht ist, dürfte der Bremseffekt den der geringeren Schwerkraft (*) bei Weitem aufwiegen. Das Problem besteht eher darin, dass die geringe Schwerkraft beim kraftvollen Werfen hinderlich sein könnte – man kann sich nicht richtig „in den Boden stemmen“.
    Außerdem scheint mir die pure Tatsache, dass die Atmosphäre dicht ist, keine hinreichende Erklärung für die Thermik-Probleme hier in Bodennähe. (Aber da kann ich mich auch irren.)
    Und: Das, was da von den Moskitos zitiert wird, ist kein „derartiger Unsinn“. Unsinn wäre sowas: „Guck dir den Kerl an! Der fliegt aber tief. Die Bremsdüsen am Hut sind offline. Rote Möhren wären jetzt prima, aber Schokotorten sind selten gelb.“ Unsinn könnte auch Quatsch in Sachen Discgolf sein. „Der wirft aber doof. Er müsste auf eine Leiter steigen, dann ist der Abflugwinkel besser. Oh Mann, das ist doch die völlig falsche Scheibe! Er braucht eine mit scharfem Rand, der die Äste abschneidet.“
    Die Kunst Pratchetts besteht darin, zwar völlig obskure Bedingungen zu entwerfen, innerhalb dieser sind die Sachen aber logisch. Reines Rumblödeln ist zwar auch mal ganz nett, aber es geht mehr …

    (* Spielen die wie hier und heute mit den leichten {meist unter 200 g} Plastik-Discs, die an Frisbee-Scheiben erinnern? Oder gibt es inzwischen schwere Scheiben ähnlich denen beim Diskuswerfen {kg-Bereich}? Das würde die Bedingungen ändern.)

    • Danke für den Hinweis auf die obskuren Bedingungen. Die ganze Physik muss ich auf jeden Fall noch mal überprüfen.Ich spinnisiere in dem Stoff viel über veränderte Bedingungen.Die müssen natürlich in sich stimmen.

      • Zu der Frage: In der vorliegenden Fassung läuft alles nach PDGA.- Norm. Das ist eigentlich die Professional Discgolf Association – bei mir wird es dann die Pangalaktische. Die Scheiben wiegen meist zwischen 162 und 175 Gramm.

  4. Ich mag diesen Text und hätte gerne weitergelesen. Klingt schön schräg, verrückt und lustig.
    Die unbekannten Begriffe, die mich ein bisschen stolpern ließen, könnte man vorab in einem Glossar erklären.
    Die Moskitos sprechen ja keinen Unsinn, sondern die Wahrheit. Vielleicht eher „sabotierten die gute Stimmung“. Sie könnten gerne noch frecher sein.
    Das Lesen hat auf jeden Fall Spaß gemacht.

    • Hallo und danke, ich werde an dich denken, sobald ich Probeleserinnen brauche.

      • Oh ja, sehr gerne!

  5. Ganz herzlichen Dank fürs Posten und die Ratschläge. Insbesondere die physikalischen Grundlagen muss ich wohl noch einmal überdenken.

    • Hans Peter Roentgen

      Wunderbar schräger Text. Den ersten Satz könnte man noch etwas einfacher halten, da knurrte meine Lektorenseele. Aber die knurrt auch schon bei den kleinsten Korinthen. Ansonsten: Daumen hoch!

      • frickfilm

        Dank dir. Bis zur ersten Fassung ist es noch eine Weile hin. Bin auf Seite 340, und erst in der Hälfte angekommen. Hab mir mal ein paar Tage Pause gegönnt und was anderes geschrieben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: